Wer nach der Chance sucht, kann sie auch finden.

Jandre Curic ist seit mehr als vier Jahren bei Fresenius Medical Care. Derzeit erlebt er seine wohl aufregendste Zeit als Regional Category Manager Tubing Systems & PVC bei GMQ Procurement. Denn er arbeitet seit einigen Monaten im Rahmen eines 3-jährigen Expatriates in Shanghai, China. Wie es dazu kam, mit welchen Gefühlen er ins Flugzeug gestiegen ist und warum er es jederzeit wieder machen würde, hat er uns in einem Interview erzählt.

Jandre, seit wann genau bist du in Shanghai tätig und was genau machst du dort?

Ich bin jetzt seit 1. Mai hier in Shanghai im Bereich „Global Manufacturing Quality“ (GMQ) Procurement tätig. Unsere Abteilung ist zuständig für den Einkauf von Rohmaterialien, Halbfertig- und Fertigerzeugnissen für den Produktbereich Blutschlauchsysteme im Bereich chronischer und akuter Hämodialyse.

Wie kam es denn überhaupt dazu?

Global gesehen ist der Raum Asia-Pacific einer der spannendsten Märkte für Fresenius Medical Care, da er unheimlich schnell wächst. Um von diesem Wachstum bestmöglich profitieren zu können, war schnell klar, dass wir das nicht von Deutschland aus steuern können, sondern vor Ort präsent sein müssen. Es brauchte also jemanden, der sich mit den Produkten und deren Anforderungen auskennt und gleichzeitig bereit war, diese Herausforderung anzunehmen. Tja, und das war dann ich. ;)

Was war dein erster Gedanke, als feststand, dass du nach Shanghai gehen wirst?

Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht mehr genau. Mir gingen auf jeden Fall viele Fragen durch den Kopf. Ganz banale Dinge wie „Wie sag ich es meiner Familie?“, aber vor allem auch organisatorische Fragen: „Was muss ich berücksichtigen? Und was muss vorher alles erledigt werden?“ Zurückblickend kann ich sagen: Eine selbst gebastelte Mindmap ist hierbei sehr hilfreich.

Du hast deine Familie angesprochen. Wie hat denn dein persönliches Umfeld darauf reagiert, dass du es – zumindest für einige Zeit – verlassen wirst?

Ganz unterschiedlich. Meine Familie war tatsächlich eher zurückhaltend und fragte mich, ob das denn unbedingt notwendig sei. Freunde und Kollegen haben dagegen überwiegend positiv reagiert und mich darin bestärkt, da sie darin eine große Chance für mich sahen. Naja, und der eine oder andere hat auch nicht ganz uneigennützig gefragt, wann er mich denn mal besuchen kommen könnte. :)

Kannst du einen kurzen Einblick in die letzten Tage vor deiner Abreise geben?

Oh, die waren sehr stressig! Da ich mir im Vorfeld nur zwei Tage freigenommen hatte, musste ich sämtliche organisatorischen Dinge wie Wohnung kündigen, Umzugsfirma koordinieren oder Kartons packen quasi nebenbei erledigen. Gutes Timing ist hierbei ganz wichtig, denn du willst die letzten Tage in Deutschland ja nicht in einer leeren Wohnung verbringen, auf der anderen Seite willst du auch nicht allzu lange auf gepackten Koffern sitzen. Als dann endlich alles bereit war, habe ich natürlich die Stunden gezählt, bis es endlich losging.

Mit welchen Gefühlen bist du ins Flugzeug gestiegen?

Schon mit gemischten Gefühlen. Einerseits war ich einfach froh, dass das Warten ein Ende hat. Aber andererseits habe ich mich schon auch gefragt: „Worauf hast du dich da eingelassen?“ Diese Unsicherheit ist glücklicherweise – im wahrsten Sinne des Wortes – sehr schnell verflogen. ;)

Was waren für dich die wesentlichen Herausforderungen in den ersten Tagen und Wochen?

Die größte Herausforderung war, dass Shanghai einfach riesig ist. Von einem Teil der Stadt zum anderen kann es mit der Metro schon mal mehr als 1,5 Stunden dauern. Daher ging es für mich zunächst darum, mich vor Ort mit dem Umfeld vertraut zu machen: Wie komme ich am schnellsten von meiner Wohnung zum Arbeitsplatz? Wo ist der nächste Supermarkt? Wie kaufe ich mir ein Metro-Ticket? Und wie sage ich dem Taxifahrer, wo ich hin möchte? Sehr hilfreich war für mich, dass ich eine Wohngegend gefunden hatte, in der ich mich von Anfang an wohlfühlte. Das war sozusagen schon die „halbe Miete“. Der Rest kam dann fast ganz von alleine.

Kommen wir mal zur Arbeit: Wie wurdest du denn von den neuen Kolleginnen und Kollegen aufgenommen?

Super! Ein besseres Welcome hätte ich mir nicht wünschen können. Mir wurde sofort jegliche Unterstützung angeboten, sowohl beruflich als auch privat. So haben die Kollegen gleich mal einen gemeinsamen Abend organisiert, an dem wir als erstes im Hofbräuhaus waren und anschließend zum klassischen chinesischen Abendprogramm mit Karaoke übergegangen sind.

Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zum Arbeiten in Deutschland?

Den größten Unterschied sehe ich in der Art und Weise, wie man Aufgaben und Projekte angeht. Wenn man in Deutschland seine Erwartungen klar definiert, kommt meistens auch das entsprechende Ergebnis zustande. In China muss man dagegen oft eine Extra-Runde drehen, bis das gewünschte Resultat erreicht wird. Das liegt daran, dass man häufig zu der schnellsten Lösung tendiert, aber nicht die Vor-und Nachteile abwägt oder die Konsequenzen einer Entscheidung nicht hinterfragt. Klar kann das manchmal auch von Vorteil sein, aber in vielen Fällen wäre es besser, erst nochmal nachzudenken bevor man handelt. Auf diese Arbeitsweise musste ich mich als Deutscher in China erst mal einstellen und dementsprechend auch meine Erwartungshaltung hier und da etwas anpassen. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Aber ich denke, dass wir inzwischen eine ganz gute Balance gefunden haben.

Was hat dich überrascht?

Erstens die Bahn: Das Schienennetz ist wesentlich besser als in Deutschland und die Züge sind nicht nur in einem sehr guten Zustand, sondern auch super pünktlich! Und zweitens der Technologiegrad: Die Chinesen machen wirklich alles per Smartphone. Egal ob Strom, Gas, Wasser oder Lebensmittel – alles wird mobil erledigt. Bargeld sieht man hier sehr selten, Bezahlung via Smartphone oder auch Onlinegeld ist hier bereits seit Jahren gang und gebe.

Nachdem du nun schon einige Zeit dort bist – ist es so wie du es dir vorgestellt hast?

Nein, ich habe so viele positive Momente und Eindrücke wahrgenommen – viel mehr, als ich mir vorher hätte erträumen können. Meine Erwartungen wurden also weit übertroffen.

Ok, aber es gibt bestimmt auch etwas, das du vermisst, oder?

Klar vermisse ich Freunde und Familie. Wir kommunizieren zwar regelmäßig über Skype oder Facetime, aber das ersetzt natürlich nicht das persönliche Beisammensein. Außerdem fehlt es mir hier in Shanghai an Orten, wo man sich mal zurückziehen kann. Wiesen, Bäume oder gar Wälder gibt es hier kaum. Lediglich einige Parks sind vorhanden, aber die sind in der Regel total überfüllt. Ruhe zu finden ist also wirklich sehr schwer.

Zum Schluss: Welchen Tipp kannst du jemandem geben, der sich für einen Auslandseinsatz interessiert?

Wer nach der Chance sucht, kann sie auch finden. Wenn man ins Ausland gehen möchte, sollte man auf jeden Fall Augen und Ohren offen halten, manchmal auch proaktiv sein und selbst Vorschläge machen. Wenn es dann soweit ist, sollte man sich auf jeden Fall frühzeitig mit der Stadt, der Umgebung und potenziellen Wohngegenden vertraut machen, wenn möglich sogar vorher schon mal für ein paar Tage hinfliegen, um die Gegend zu erkunden. In der Regel gibt es in den großen Städten auch sogenannte „Expat Communities“, dort kann man sich bereits im Vorfeld kostenlos anmelden und sich mit anderen austauschen.

Vielen Dank für das Interview, Jandre! Und weiterhin eine gute Zeit für dich in Shanghai!

Kommentare

  • Anna-Lena

    schrieb am 14.10.2016

    Ein wahnsinnig interessanter, facettenreicher und vor allem aber auch persönlich gestalteter Artikel. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung ;-)

    Antworten
  • Fresenius Karriere

    schrieb am 14.10.2016

    Hallo Anna-Lena, vielen Dank für dein Feedback! Mal schauen, vielleicht gibt es tatsächlich bald eine Fortsetzung! ;) Viele Grüße, Christian vom Fresenius Karriere-Team

    Antworten

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