Mission: Digitalisierung vorantreiben

Jörn Volckmann schaut gern über den Tellerrand – als Managing Consultant in Digitalisierungsprojekten ist das eine seiner wichtigsten Eigenschaften, um Ideen zu entwickeln, Potenziale zu ermitteln und Mehrwert zu schaffen. Und übersetzen können muss er als Experte für Manufacturing IT auch. Warum und zwischen wem – das hat er uns im Interview verraten.

 

Sie arbeiten im Global Demand & Business Relationship Management (GDBRM) – was bedeutet das und was ist Ihre Rolle dabei?

Wir arbeiten mit unseren Kunden innerhalb des Fresenius-Konzerns daran, die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben. Meine Aufgabe ist es, Projekte zu identifizieren und zu planen – also klassisches Business Development. Wir bei der Netcare gehen tendenziell aktiv auf unsere Kunden zu, schlagen ihnen Verbesserungsprojekte vor und schauen auch, ob es Potenzial für Folgeprojekte gibt. Hier stehen wir im Wettbewerb mit externen Beratungsunternehmen, haben diesen gegenüber jedoch den Vorteil, dass wir die internen Prozesse sehr gut kennen. Wir haben außerdem einen guten Überblick darüber, was schon entwickelt oder zumindest angedacht wurde und verhindern so, dass das Rad neu erfunden wird. Einen Teil der Projekte führe ich dann auch mit unseren Kunden zusammen durch – das ist der Projektmanagement-Teil meines Jobs.

Welche Projekte sind das denn konkret?

Es geht immer um Digitalisierung und Automatisierung. Bei einem unserer Vorhaben implementieren wir zum Beispiel eine zentrale Integrationsplattform. Sie soll Daten aus den einzelnen Produktionssystemen in übergeordnete Systeme transferieren, also etwa in SAP-, Datenanalyse- oder andere produktionsnahe Informationssysteme. Diese Integration ist die Grundvoraussetzung für innovative Lösungen, die dann auf diesen integrierten Daten aufsetzen können. Momentan geht es hier darum, die Schnittstellen zu reduzieren, was aufgrund der Vielzahl von Maschinen und Systemen ziemlich komplex ist. Aktuell überprüfen wir, inwieweit wir das auf die Labore ausweiten können, denn hier läuft die Datenweitergabe häufig noch über Excel-Listen oder sogar Papier. Unser Ziel ist es, einen „Digital Twin“ zu erzeugen, also das digitale Abbild eines ganzen Produktionsstandortes mit all seinen Systemen aus Laboren, Produktion und Verwaltung.

 

 

Ich bin Übersetzer zwischen Business und IT.

Und was ist Ihr Background?

Ich habe in Mainz Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik und Marketing studiert. Ich folgte meinem damaligen Professor an die Uni Gießen, um ihn beim Aufbau des Lehrstuhls zu unterstützen. Doch dann ging ich in die Schweiz zu einem Hersteller von Glasprodukten für Pharma und Medizin, das war mein Einstieg in die Manufacturing IT. Nach einigen Jahren wechselte ich zurück in dessen Konzernzentrale und verbrachte im Anschluss noch zwei Jahre bei einem Pharmahersteller. Bei all diesen Positionen ging es darum, produktionsnahe IT und damit Automatisierung und Digitalisierung aufzubauen oder zu verbessern. Seit Januar 2018 bin ich bei Fresenius Netcare.

Sie waren also von Anfang an in der Pharmabranche – war das eine bewusste Entscheidung?

Zu Beginn nicht – ich bekam durch meinen ersten Job zum ersten Mal Einblick in diese Industrie, entdeckte einige Spezifika und fand das faszinierend: Pharma ist – nicht nur im IT-Umfeld – stark reguliert und die Prozesse bewegen sich innerhalb enger Rahmenbedingungen. Dadurch gibt es in Sachen Industrie 4.0 noch viel Entwicklungspotenzial, und so kann man viel ausprobieren und erreichen. Das finde ich spannend. Die Branche ist zum einen als Arbeitgeber ziemlich sicher und zum anderen kann man noch viel bewegen. Das ist eine gute Kombination.

Wie finden Sie Fresenius als Arbeitgeber?

An Fresenius hat mich gereizt, Einblicke in so viele verschiedenste Bereiche zu bekommen. Die Unterschiedlichkeit der Geschäftsbereiche ist sehr spannend und sorgt für große Vielfalt bei den Projekten. In einem großen Konzern hat man immer die Herausforderung, dass man sich durch Strukturen kämpfen muss – aber das macht es auch interessant und man lernt viele Leute kennen. Dazu kommt: Speziell in unserem Team haben wir eine tolle, kollegiale Atmosphäre, unterstützen uns gegenseitig und unternehmen auch zuweilen nach der Arbeit etwas zusammen.

 

 

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

Ich schätze die Freiheit, neue Ideen entwickeln und einbringen zu können. Natürlich haben wir klare, definierte Ziele. Aber wir schauen stets links und rechts vom Weg, wo wir weiteren Mehrwert für die Geschäftsbereiche schaffen können. Wir haben die Möglichkeit, uns am Markt zu informieren und gleichzeitig müssen wir Trends erkennen und ins Tagesgeschäft einbringen. So habe ich zum Beispiel bei einer Konferenz einen kleinen Anbieter kennengelernt, der Laborequipment an IT-Systeme anbindet. Ich habe den Vorschlag gemacht, und wir haben das dann einfach getestet. Durch unsere vielen Gespräche sowohl intern mit unseren Kunden als auch extern mit anderen Experten spüren wir da häufig interessante Lösungen auf. Momentan ist es aufgrund der Corona-Pandemie natürlich nicht so leicht mit dem Austausch, aber viele Konferenzen und Messen finden inzwischen virtuell statt, sodass wir trotzdem auf dem Laufenden bleiben.

Und welche persönlichen Eigenschaften kommen Ihnen bei Ihren Aufgaben zugute?

Eine große Herausforderung ist es, die lokalen Anforderungen der Produktionsstandorte mit den zentralen Initiativen zusammenzubringen. Da die Werke in der Vergangenheit immer sehr eigenständig waren, ist viel Kommunikation gefragt, auch ein entsprechendes Change Management ist wichtig. Ich muss in meiner Rolle also sehr viel kommunizieren und erklären, warum manche Dinge gehen und andere nicht. Ich schildere Fortschritte und Erfolge, um den Weg aufzuzeigen. Die dezentralen Systeme haben ja häufig einen Sinn – und doch gilt es, hier zu zentralen Lösungen zu kommen, die aus Konzernsicht viele Synergien schaffen.

Worauf sind Sie stolz?

Die schon erwähnte Integrationsplattform entstand vor etwa eineinhalb Jahren als Idee – und jetzt hat sie Awareness und Unterstützung auf Managementebene bekommen. Wir haben den Business Case sauber dargestellt, viel kommuniziert und konnten so viele Werke dafür gewinnen, mitzumachen. Wir müssen sogar entscheiden, mit wem wir starten, weil so viele dabei sein wollen. Wir haben da einen richtig guten Job gemacht: die Anforderungen sauber spezifiziert, Anbieter gut gewählt und intern überzeugend kommuniziert. Das ist eine Entwicklung, die mich stolz macht – wie auch die Tatsache, dass wir inzwischen bei den internen Kunden sehr präsent sind und häufig als erste kontaktiert werden, wenn es um Digitalisierungsprojekte geht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Volckmann!

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