Viele Wege führen zum Job

Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von Franziska Bauer und Nadja Kirsten im ZEIT Studienführer 2017/18.

Marcel Smykalla und Wenting Schuhmacher arbeiten beide im Internal Audit. Sie prüfen betriebliche Abläufe innerhalb des Fresenius-Konzerns und reisen dabei zu Standorten in aller Welt. Die Wege in ihren heutigen Job verliefen aber sehr unterschiedlich.

Gleicher Beruf – unterschiedlicher Background

Wenting studierte Germanistik in China, bevor sie ihr BWL-Studium mit dem Bachelor in Mannheim abschloss. Danach arbeitete sie zunächst bei einem international tätigen Maschinenbauunternehmen im Controlling. „Nach zwei Jahren wollte ich mich weiterentwickeln und bin zurück an die Uni, um meinen Master mit Finance-Schwerpunkt zu machen“, erzählt Wenting. Nebenher jobbte sie als Werkstudentin in einer Investmentbank. Später ging sie dann zu Fresenius, wo sie nun im Internal Audit arbeitet. Dort profitiert sie von den Erfahrungen, die sie im Controlling und in der Bank machen konnte.

Marcels Werdegang hingegen verlief ganz anders, denn er kommt aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Das erste Mal mit Wirtschaft in Berührung kam er zu Beginn seines Master-Studiums in Neurobiologie – durch ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung. Eigentlich hätte die klassische Biologen-Laufbahn für ihn gelautet: Bachelor, Master, Promotion, Forschung.

Doch Marcel merkte bald, dass er die Vorstellung von Biologie, die er aus der Schule mitbrachte, nicht viel mit Biologie an der Uni zu tun hatte. „Vieles ist extrem klein, dreht sich zum Beispiel um molekulare Reaktionen, und man hat wenig zum Anfassen“, sagt er. Er mochte sein Fach, aber er ahnte, dass die Arbeit im Labor vielleicht nicht das war, was er sein Leben lang machen wollte. Viele von Marcels Freunden studierten BWL oder Jura, und was sie erzählten, fand er spannend. Deshalb entschied er sich für das Praktikum in der Unternehmensberatung.

Praktikum der Themenvielfalt

Dort lernte er eine andere Art des Arbeitens kennen: „Die Themen in der Beratung waren vielfältig, im Gegensatz zur Biologie, wo man sich immer weiter spezialisiert“, sagt er. „Das habe ich sehr genossen.“ Schön fand er auch, sich einmal nicht nur mit Fakten auseinanderzusetzen, sondern auch mit Meinungen. Das Praktikum gefiel ihm schließlich so gut, dass er für sich entschied, nach dem Master in Neurobiologie noch ein weiteres BWL-Studium anzuschließen. Doch es kam anders: Noch vor Abschluss seines Masters bewarb er sich für ein zweites Praktikum in der Wirtschaft – bei Fresenius. Hier entdeckte er seinen heutigen Beruf, den des Internen Auditors. „Ich habe herausgefunden, dass man dabei viel reist und das Unternehmen gut kennenlernt, dass man in wechselnden Teams arbeitet und schnell Verantwortung übernehmen kann. Da war für mich schnell klar, dass ich hier bleiben möchte.“

Unterschiedliche fachliche Hintergründe, obwohl man den gleichen Job ausübt – bei Fresenius keine Seltenheit. Marcel und Wenting stehen beispielhaft dafür. Marcels Biologie-Studium passte inhaltlich zur Arbeit eines Gesundheitskonzerns, und mit seinem Praktikum in der Unternehmensberatung konnte er belegen, dass er offen für wirtschaftliche Themen ist. Wenting hatte zwar vorher in anderen Branchen gearbeitet, aber die analytische Herangehensweise und der Umgang mit Zahlen hatte immer eine Rolle bei ihr gespielt. Beides kommt ihr in ihrem jetzigen Job zugute.

Studium als Selbstfindungsphase nutzen

Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Weichen für die Zukunft werden nicht unbedingt mit der Wahl des Studiums gestellt. Auch wenn man damit bereits grobe Richtung ansteuert, tun sich oftmals auch ganz neue Möglichkeiten auf, mit denen man zunächst nicht gerechnet hat. Unser Ratschlag für angehende Berufseinsteiger lautet daher: Nutzt das Studium als Selbstfindungsphase, probiert euch aus und sammelt Erfahrungen! Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr einen Berufsweg geht, der zu euch passt und euch zufrieden stellt. Das sieht auch Marcel so: „Wenn man sich auf seine ursprüngliche Meinung versteift, verpasst man Chancen, die sich links oder rechts vom Weg bieten und mit denen man vielleicht glücklicher wäre.“ Er weiß, wovon er spricht.

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